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Besuchererhebungen
Wenn die Aare ruft

August 2011

Artikel als PDF (352 KB)

Der Aareraum und die Aare sind als Erholungsräume sehr beliebt. Dies stellen Besuchende fest und zeigen erstmals auch Zahlen aus der 2010/11 durchgeführten Besuchererhebung. An schönen Sommertagen verbringen Tausende von Menschen ihre Freizeit bei unterschiedlichsten Aktivitäten an und in der Aare. Mit den geplanten Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen wird der Aareraum als Erholungsgebiet noch attraktiver, wie das Beispiel der umgestalteten Hunzigenau zeigt.

Wie wirkt sich der Besucheransturm aus?
Welche Aktivitäten werden ausgeübt und welches sind die begehrtesten Plätze? Wissen die Aarebesuchenden, dass sie sich in einem Naturschutzgebiet befinden und ob im Gebiet besondere Verhaltensregeln gelten? Gibt es auch Dinge, die stören? Was geschieht, wenn sich noch mehr Leute an der Aare aufhalten?

Um diese und weitere Fragen zu klären, werden im Rahmen des Projekts «aarewasser» umfassende Besuchererhebungen durchgeführt. Diese sollen nicht nur die jeweilige Ist-Situation aufzeigen, sondern auch Aussagen zur Entwicklung der Besucherströme, des Verhaltens und des Wissensstandes zum Gebiet ermöglichen. Von grösstem Interesse für Kantons- und Bundesfachstellen sowie Gemeinden sind Antworten auf die folgenden Fragen:
• Haben die (erwarteten) höheren Besucherfrequenzen oder die Art der Besucheraktivitäten einen nicht annehmbaren Einfluss auf Flora und Fauna?
• Nehmen die Abfälle zu? Führen sie zu einem unverhältnismässig grossen Aufwand für die Gemeinden?
• Werden die verschiedenen Freizeit-Nutzergruppen auch künftig friedlich nebeneinander Platz haben? Wird es Konflikte geben?

Eine stetige Zunahme der Besuchenden weckt auch Befürchtungen, dass die Naherholungs- und Naturqualität darunter leiden könnte. Die Besuchererhebungen sollen deshalb helfen, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf Grundlagen für geeignete Massnahmen bereitzustellen.

Wie zählt man Erholungssuchende?
Geschulte Personen zählen die Erholungssuchenden manuell. Alle sechs Jahre erheben sie an sieben (künftig acht) definierten Standorten die Frequenzen und das Verhalten und führen Interviews durch. Dazwischen finden alle drei Jahre Erhebungen an drei Standorten statt. Gezählt wird jeweils von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Alle Daten sind anonym. Die erste Grunderhebung erfolgte vom Sommer 2010 bis Frühling 2011 und lieferte bereits weit über 40 000 Datensätze.

Damit sind schon heute sehr viele Aussagen möglich. Beispielsweise dass die Aare zwischen Thun und Bern ein typisches Naherholungsgebiet ist, da der grösste Teil der Besuchenden aus den umliegenden Gemeinden kommt. Auch wird die Erholungsqualität bereits heute überall als hoch bis sehr hoch gewertet (Note zwischen 4,9 und 5,3). Am attraktivsten finden die Erholungssuchenden weitgehend naturbelassene oder natürlich wirkende Räume wie das Gebiet bei der Kleinhöchstettenau.

Die meisten verhalten sich korrekt
Wo viele Menschen in einer geschützten Landschaft aufeinander treffen, kann es auch Konflikte geben: Konflikte zwischen Mensch und (geschützter) Natur, aber auch zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen. Überraschend ist, dass nur rund ein Drittel der Besuchenden angibt zu wissen, dass sie sich in einem Naturschutzgebiet mit entsprechenden Regeln befinden. Trotzdem: die meisten verhalten sich korrekt. Lediglich 4% der erfassten Aktivitäten sind konfliktträchtig. Dabei handelt es sich hauptsächlich um das Missachten von Fahrverboten oder des Hundeleinegebotes, welches in Teilgebieten der Aarelandschaft gilt. Dass es auch Konflikte zwischen Nutzergruppen gibt, zeigen die Äusserungen vieler Besuchender, die sich am schlechten Benehmen Einzelner und anrücksichtslosen Velofahrenden stören.

Mehr Spass ohne Abfall kreuz und quer
Die Freizeitaktivitäten an, auf und in der Aare haben leider auch unerwünschte Nebeneffekte. Nach Auffassung der Erholungssuchenden ist in den letzten Jahren der Abfall zunehmend zum Problem geworden. Er wird als grösste Störung der Erholungsqualität im Aareraum bezeichnet. Gemäss Schätzungen der Anliegergemeinden fallen in einem Jahr an der Aare rund 180 Tonnen Abfall an, davon der weitaus grösste Teil im Sommer. Dies entspricht gut 150 grossen Lastwagenladungen. Nach einem schönen Wochenende liegen Glas, Hundekot, Büchsen, Papier, Grillroste oder Essresten überall verstreut im Wald, auf Kiesbänken und im Wasser. Zusätzlich zum unschönen Anblick und zu üblen Gerüchen können solche Abfälle auch Verletzungen bei Menschen und Tieren verursachen.

Die Untersuchung zum Besucherverhalten bringt aber auch Unerwartetes zu Tage: in einzelnen Gebieten wird der nicht ordentlich entsorgte Abfall (littering) tagsüber durch engagierte Freiwillige weggeräumt!

Wie geht’s weiter?
Die Aare-Anliegergemeinden begrüssen eine verstärkte Zusammenarbeit beim Abfall. Das ergaben ein Workshop mit den Wegmeistern der Gemeinden im Frühjahr 2011 sowie die Aarekonferenz zum Thema Abfall vom Juni 2011. In einem nächsten Schritt soll nun eine Arbeitsgruppe aus Gemeinde- und Kantonsvertretenden gegründet werden, die ein Massnahmenkonzept zur Abfallproblematik erarbeitet.

Bezüglich Konflikten zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen und Respektierung der Naturwerte zeigt sich, dass die Projektverantwortlichen «aarewasser» mit dem ausgearbeiteten Konzept Besucherinformation und -führung auf dem richtigen Weg sind. Die Umsetzung soll nach Genehmigung des Wasserbauplans erfolgen und insbesondere die Information und Aufklärung vor Ort schrittweise verbessern.

Autor: Bruno Käufeler, dipl. Geograf svu-asep,
IMPULS AG, Thun
Redaktion: Egger Kommunikation, Bern

Weltrekord-Aareböötle vom 20. August 2011.
(Foto: gonnado)

Eines der meistbesuchten Gebiete an der Aare
zwischen Thun und Bern: die Schützenfahrbrücke 
in Münsingen.
(Foto: Conradin Mohr)

Cartoon: Pfuschi

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